Vietnam. Wer einmal dort war, weiß: Dieses Land lässt einen nicht los. Die Reisfelder im Morgennebel, die Altstadt von Hội An bei Nacht, der Lärm und das Leben in den Gassen von Saigon und Hanoi, das geprägt ist von seiner Tradition und Geschichte, die du in jeder Straße spürst. Vor allem das Essen, wie Gerichte Phở, Bún chả oder Bánh mì. Himmlisch. Eine Küche, die von Stadt zu Stadt eine andere Sprache spricht, immer anders, immer überraschend. Und so wie dir das beim Essen schon aufgefallen ist, ist es beim Kaffee genauso. Nur du hast es bestimmt gar nicht gemerkt.

Wie jede Region ihr eigenes Gericht hat, hat jede Stadt auch ihr eigenes einzigartiges Kaffeegetränk. Vier Städte, vier Charaktere, vier Tassen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In Hanoi trinkt man Cà Phê Trứng, den Eierkaffee. In Hue Cà Phê Muối, den Kaffee mit Salz. In Saigon Cà Phê Sữa Đá, Eiskaffee mit Kondensmilch. Und in Da Nang gibt es Cà Phê Dừa, Kaffee mit Kokosmilch.

Jeder dieser Kaffeegetränke erzählt etwas über die Stadt, aus der er kommt. Über ihre Geschichte, ihre Menschen und ihre Art zu leben. Wenn du in Vietnam warst: Willkommen zurück. Wenn du noch nicht dort warst: Hier ist ein guter Grund, hinzufliegen.


Hanoi: Cà Phê Trứng - der Eierkaffee

Hanoi. Die Heimatstadt meiner Eltern und meiner lebenden Verwandten. Wer nach Vietnam fliegt, kommt an der alten Hauptstadt nicht vorbei.

Der Norden Vietnams ist eher konservativ und traditionsbewusster. Hanoi ist geprägt von seiner Geschichte, seinen Traditionen und dem Konfuzianismus, den du überall in den Gassen spürst. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus engen Gassen, in denen Mopeds, Menschen und das Leben selbst aneinander vorbeiziehen. Überall kleine Läden, Röhrenhäuser, die sich aneinanderlehnen, Stockwerk um Stockwerk, bunt verwittert und mit Balkonen aus der Kolonialzeit.

Der Hoan-Kiem-See liegt mitten in der Stadt und ist wie ein kurzer Atemzug zwischen all dem Treiben. Dort kommen die Bewohner von Hanoi im Morgennebel zusammen, um ihr tägliches Tai Chi zu üben.

Und dann gibt es noch die Bahnstraße, die immer noch in Betrieb ist. Wenn der Zug kommt, wird aus einer ganz normalen Wohngasse eine Bahnstrecke. Der Zug rauscht Zentimeter an dir vorbei, während du auf deinem kleinen Plastikstuhl sitzt und deinen Cà Phê schlürfst. Wenn er vorbeigefahren ist, machen alle weiter, als wäre nichts gewesen.

Genau in dieser Stadt, in dieser Stimmung, wurde ein Kaffee geboren, der genauso vielschichtig ist wie die Stadt selbst.

Cà Phê Trứng entstand nicht aus Kreativität, sondern aus Not heraus.

1946, mitten im Ersten Indochinakrieg, war frische Milch in Hanoi kaum zu bekommen. Nguyễn Văn Giảng, Barkeeper im legendären Sofitel Metropole Hotel, suchte nach einer Alternative. Seine Lösung: Eigelb, Kondensmilch und Zucker aufschlagen, bis die Masse cremig und leicht war. Gegossen auf starkem vietnamesischen Robusta-Kaffee. Das genaue Rezept ist bis heute Familiengeheimnis.

Er verließ das Hotel, eröffnete das Café Giảng in der Altstadt und das Café existiert bis heute noch. Sein Sohn führt es weiter, mit demselben Rezept, in derselben Gasse.

Heute findest du den Cà Phê Trứng in vielen Cafés in Hanoi. Jeder hat seine eigene Version. Aber das Gefühl bleibt dasselbe. Die Creme obenauf ist samtig, dicht, süß — fast wie ein Dessert, das du löffelst statt trinkst. Darunter der Robusta. Kräftig, dunkel, mit einem Körper, der die ganze Cremeschicht trägt, ohne darunter zu verschwinden. Bitter trifft Süß. Schwer trifft leicht. Und irgendwo dazwischen liegt dieser eine Schluck, für den du in Hanoi bleiben würdest.

Rezept - Eierkaffee - Cà Phê Trứng


Hue: Cà Phê Muối - der Salzkaffee

Hue ist die alte Kaiserstadt Vietnams. Liegt rund 650 km südlich von Hanoi und gut 1.000 km nördlich von Saigon. Die Stadt ist geprägt von der Kaiserzeit und sie versteckt ihre Vergangenheit auch nicht. Du siehst sie in der Zitadelle, in den Grabmälern der Kaiser oder in den alten Tempeln am Parfümfluss.

Hue hat eine Eigenschaft, die du sofort spürst: Die Menschen hier verfeinern Dinge. Das Essen, die Architektur und die Art, wie der Alltag gelebt wird. Alles hat eine Sorgfalt, die anderswo so nicht existiert.

Auch beim Kaffee.

Cà Phê Muối, Salzkaffee genannt, ist noch kein Jahrhundert alt. Um 2010 eröffnete ein Ehepaar ein kleines Café in der Nguyễn-Lương-Bằng-Straße in Hue. Ihr Konzept: Kaffee mit einer leicht gesalzenen Sahnecreme obendrauf. Der Name des Cafés war gleichzeitig der Name des Getränks, Cà Phê Muối. Salzkaffee. Die Leute kamen neugierig, um zu probieren. Und blieben dann wegen dem Geschmack.

Heute findest du das Kaffeegetränk in ganz Vietnam. Aber entstanden ist er hier, in der Kaiserstadt Hue.

Das Salz geht nicht in den Kaffee. Es sitzt in der Sahnecreme. Und genau das ist der Moment, in dem alles Sinn ergibt. Der erste Schluck überrascht dich. Denn du merkst: Das Salz hebt die Süße und rundet die Bitterkeit ab. Der Robusta darunter bleibt, was er ist, kräftig, schokoladig und mit Charakter. Die gesalzene Creme obendrauf macht ihn runder, tiefer und schon fast karamellartig. Was nach falsch klingt, schmeckt nach mehr.


Saigon: Cà Phê Sữa Đá - der Eiskaffee

Saigon heißt offiziell Ho-Chi-Minh-Stadt. Aber die meisten sagen immer noch Saigon. Und irgendwie passt das, weil diese Stadt nie ganz aufgehört hat, sie selbst zu sein.

Saigon ist das moderne Vietnam. Eine Stadt, in der Wolkenkratzer neben alten Tempelanlagen stehen. Wo du morgens Phở isst und abends in einer Rooftop-Bar sitzt. Wo Mopeds und Teslas nebeneinander fahren. Westlicher Lebensstil und vietnamesische Tradition treffen sich hier, und das eine schließt das andere nicht aus. Beides funktioniert, beides existiert, Seite an Seite.

Genau in dieser Stadt ist der bekannteste Kaffee Vietnams zu Hause.

Cà Phê Sữa Đá hat seine Wurzeln in der französischen Kolonialzeit. Die Franzosen brachten den Kaffee nach Vietnam, doch frische Milch war in der tropischen Hitze kaum haltbar. Die Lösung kam aus der Dose: Kondensmilch. Haltbar, süß und leicht zu transportieren. Die Vietnamesen übernahmen sie, passten alles an ihre eigene Art zu trinken an und Saigon fügte das Entscheidende hinzu: Eis. Aus Cà Phê Sữa wurde Cà Phê Sữa Đá.

Der Phin-Filter tropft den starken Robusta langsam auf einen Boden Kondensmilch. Dann kommt das Eis. Das war's . Kein kompliziertes Rezept, keine aufwendige Zubereitung. Es war einfach die logische Antwort auf Hitze, Stärke und Süße.

Heute trinkst du ihn an jeder Straße in Vietnam. Du sitzt auf einem kleinen Plastikstuhl, das Glas auf dem Boden, der Verkehr zieht an dir vorbei. Süß, kräftig, eiskalt.

Rezept - Eiskaffee - Cà Phê Sữa Đá.


Da Nang: Cà Phê Dừa - der Kokosnusskaffee

Da Nang ist das, was Vietnamesen meinen, wenn sie von Urlaub reden. Die Amerikaner nennen sie das Miami Vietnams. Und wenn du einmal dort warst, verstehst du auch, warum. Die Stadt liegt direkt am Meer, der My-Khe-Strand zieht sich kilometerlang hin, das Wasser ist warm, der Wind weht wie eine Abkühlung vorbei und die Luft ist salzig. Kein Dschungel, keine Großstadthektik. Einfach Strand, Sonne und das Gefühl dass die Zeit hier in einem anderen Tempo läuft.

Im Sommer kommen die Vietnamesen aus Hanoi und Saigon hierher. Familien, Paare und alle, die dem Alltag kurz entkommen wollen. Da Nang ist ihr Meer. Ihr Ort zum Durchatmen. Das Klima ist tropisch, die Temperaturen hoch, die Luft ist feucht und warm. Kokosnusspalmen wachsen so weit das Auge reicht.

Und hier ist der Cà Phê Dừa zu Hause

Erfunden wurde er hier nicht, und es gibt auch keine Geschichte mit einem Namen. Aber Kokosnusskaffee passt perfekt hierhin. Das Klima stimmt, die Kokosnüsse wachsen direkt vor der Tür, und die Cafés in Da Nang haben schon immer kreativ mit dem gearbeitet, was die Region hergibt. Starker Robusta, Kokosmilch, Kondensmilch und Eis.

Stell dir vor: Du sitzt im Schatten, den Blick aufs Meer und ein kühles Glas Cà Phê Dừa in der Hand. Cremig, süß, mit dem leichten Aroma der Kokosnuss und darunter der Robusta, der daran erinnert, dass es trotzdem Kaffee ist.


Vier Städte, vier Kaffeegetränke, vier Geschmäcke. Und vielleicht denkst du gerade: Klingt gut, aber wo bekomme ich vietnamesischen Kaffee her und einen Phin-Filter habe ich auch nicht.

Die gute Nachricht: Den brauchst du nicht. Unsere vietnamesischen Robusta-Bohnen aus Dak Lak sind als ganze Bohnen erhältlich und funktionieren genauso gut in deiner Kaffeemaschine zu Hause. Kein Spezialequipment, kein Versand aus Vietnam. Nur echter vietnamesischer Robusta — direkt zu dir nach Hause.

Lass es dir schmecken.

Häufige Fragen

Was ist der bekannteste Kaffee in Vietnam? Cà Phê Sữa Đá — Eiskaffee mit Kondensmilch. Den trinkst du an jeder Straßenecke in Saigon, aber auch im Rest des Landes. Wer einmal in Vietnam war, kennt ihn.

Was macht vietnamesischen Kaffee besonders? Die Bohne. Vietnamesischer Robusta ist kräftiger, intensiver und hat mehr Koffein als der Arabica den die meisten kennen. Und weil jede Stadt ihre eigene Art hat ihn zu trinken, schmeckt Kaffee in Hanoi anders als in Saigon.

Was ist der Unterschied zwischen vietnamesischem Robusta und normalem Kaffee? Vietnamesischer Robusta hat mehr Koffein, einen kräftigeren Körper und eine natürliche Schokoladennote. Er ist stärker als die meisten Arabica-Sorten die man aus dem Supermarkt kennt — und genau deshalb trägt er Kondensmilch, Ei oder Kokosmilch ohne darunter zu verschwinden.

Kann ich diese vietnamesischen Kaffeegetränke zu Hause nachmachen? Ja. Du brauchst keinen Phin-Filter und kein Spezialequipment. Nur die richtige Bohne. Unsere Robusta-Bohnen aus Dak Lak funktionieren in deiner normalen Kaffeemaschine — mahlen, aufbrühen, fertig.

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